Ihnen geht es jetzt gut. Das ist ein guter Zeitpunkt für die Psychiatrie.

Die Möglichkeit der 3-monatigen stationären Psychotherapie (oder Tagesklinik) wurde mir schon nach meinem ersten Psychiatrieaufenthalt im März empfohlen. Die Akutpsychiatrie ist nämlich nicht der Ort, damit es einem langfristig besser geht. Zwar gibt es Patient:innen, die auch monatelang in der Akutpsychiatrie sind, aber – so sagt der Name schon – sie dient eigentlich „nur“ der akuten Krisenintervention. Es gibt zwar auch dort unter der Woche Therapieeinheiten, diese genügen aber nicht, sich tiefgehend mit der eigenen psychischen Erkrankung zu beschäftigen.

Am Tag des Termins hätte ich ihn fast abgesagt. Es geht mir momentan nämlich sehr gut, ich hatte seit 2 Monaten gar keine Suizid- oder Selbstverletzungsgedanken mehr. Mir macht die Arbeit und sogar das Studium derzeit Spaß und ich komme gut mit meiner Familie wie auch meinem Freundeskreis zurecht. Momentan möchte ich also nicht aus dem Alltag gezogen werden, dachte ich. Ich ging trotzdem zum Vorstellungstermin, im Otto Wagner Spital, Pavillon 20, im 2. Stock. Der Oberarzt nahm sich eine Stunde Zeit, um meine Situation zu verstehen und zu erfahren, was ich mir von so einem Aufenthalt erwartete und woran ich arbeiten möchte:

Ich habe 2021 meine Therapie gestartet und wurde da mit mittelgradiger Depression diagnostiziert. 2022 kam es dann im März zu einem Suizidversuch, dem ersten, woraufhin ich auch die Diagnose borderline bekommen habe. Es gibt gute Tage, manchmal auch Wochen oder Monate, und dann eben auch die schlechten. Momentan bin ich wöchentlich in Psychotherapie, zur Psychiaterin gehe ich mittlerweile nur noch einmal im Monat. Es gibt aber Momente, wo selbst die wöchentliche Psychotherapie nicht ausreicht, wo es eben zu Abstürzen kommt, die mich wieder auf die Akutstation bringen. Um diese besser vorherzusehen und zu vermeiden, ist die stationäre Psychotherapie da. Auch um den Alltag geregelter anzugehen. Wann merke ich, dass es wieder schlechter wird? Wann weiß ich, ob es gut oder schlecht ist, Alkohol zu konsumieren? Wann werde ich impulsiv? Welche Gedanken sind krankhaft und welche nicht?

Die Station bietet Psychotherapie, Ergotherapie, Musiktherapie, Gruppentherapie, Physiotherapie und viele andere Möglichkeiten an und geben die Möglichkeit, sich selber besser zu verstehen, Sachen zu verarbeiten und das Verhalten bzw. die Gedanken besser regulieren zu können. Unter der Woche gäbe es bis 16 Uhr Therapie, und danach hat man bis 22 Uhr ‚frei‘ und kann auch das Spitalsgelände verlassen. Ab dem zweiten Wochenende kann man auch über’s Wochenende raus. Und jeden Morgen gibt es sogar Yogakurse.

Der Oberarzt schloss das Gespräch ab, indem er sagte: „Jetzt geht es Ihnen gut. Das ist ein guter Zeitpunkt für die stationäre Psychotherapie, weil Sie viel verarbeiten werden müssen und das in schlechten Perioden nicht geht. Das braucht Kraft und einen freien Kopf.“ Ich nahm das Angebot dankend an und warte nun auf den nächsten freien Platz, die Wartezeit dauert momentan gar nicht so lange. Also könnte ich wohl im Jänner schon starten.

Die Psychiatrie wird oft als ultima ratio gesehen und wenn man mal dort landet, denkt man sich: Wie tief bin ich gestürzt, dass ich hier landen musste? Wenn es einem also schlecht geht und keine entsprechende Betreuung hat, kann man sich an der stationären Psychotherapiestation in verschiedenen Kliniken melden und sich diese Möglichkeit anschauen. Ich freue mich jedenfalls schon darauf und hoffe, meine Krankheiten danach besser kontrollieren zu können.

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